Die Kunst der echten Liebe.
Laut mehreren Studien scheinen viele Menschen in der Entwicklung ihrer Fähigkeit begrenzt zu sein, einen Partner zu lieben, und einige sind sogar eher dafür blockiert. Die Fähigkeit zu lieben beginnt und wächst mit der Gesundheit des eigenen Geistes und der Offenheit der Seele. Man kann lernen, mehr zu lieben oder offener zu lieben, aber die absolute Bedingung ist jedoch die Bereitschaft, Vorurteile, Ängste und emotionale Narben aufzugeben. Eine Person, die ständig auf der Suche nach "gestern" ist, kann emotional nicht in der Gegenwart leben und wird in seiner Fähigkeit zu lieben behindert. Solch eine Person wird sich auf Sicherheit, Pflicht, Treue, und Besitzergreifung konzentrieren.

Wenn man diese Haltung vermeiden will, dann wird eine Umerziehung (re-Programmierung) über das Thema Liebe notwendig werden. Eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich sein zu können, ist Liebe zu schenken ohne zu erwarten, dafür belohnt zu werden. Es mag seltsam klingen, aber die Freude des Gebens sollte das einzige Ziel sein. Dieses Phänomen ist auch von Dr. Anton Stangl in seinem Buch "Buddhismus" beschrieben: "Wer liebt, der denkt und handelt aus dem Bewusstsein seines Eins sein mit dem anderen heraus. Diese Zuwendung zum Anderen ist ihr Kern. Die wirkliche Liebe beansprucht nicht und sie besitzt nicht, aber sie fordert schon eine tätige Liebe. Eine bloß theoretische Liebe kann es nicht geben, so wie auch die schönsten Worte um die Liebe nichts bewegen. Nur die aktive, liebevolle Hingabe zum Mitmenschen ist es, was zählt. Diese tätige Liebe erweist sich zB. in der praktischen Hilfe für Hilfsbedürftige, in der Vermeidung negativer Gefühle über andere, in der Toleranz gegenüber Andersdenkenden, im Verzeihen können, im Verzicht auf einen Dank. "Der Gegensatz der Liebe ist allemal der mehr oder minder krasser Egozentrismus, oder sogar Egoismus. Es liegt in der Natur des Menschen dass er sich selbst stets als im Mittelpunkt allen Geschehens stehend empfinden muss, als das Wichtigste von allem. Wenn die eigene Person, das eigene Tun und Lassen, absolut im Vordergrund steht, dann kann von liebevoller Güte anderen gegenüber nicht viel übrigbleiben." (aus dem Kapitel „Die Liebe oder Güte“ des Buches „Buddhismus“ von Dr. Anton Stangl, ECON Taschenbuchverlag, Februar 1993).

Das Lesen positiver Artikel und Bücher über das Leben, die Liebe, Philosophie, alternative Lebenseinstellungen, etc (wie Zb. „Das Gesetz der Resonanz“ von Pierre Franckh, Koha Verlag) beschleunigt den Prozess des seelischen Erwachens, die echte Quelle der Liebe und positiver Energie in gleich welcher Form. Erwarte keine großen Wunder, aber sei jeden Tag offen für die kleinen, und sei bereit, Dir dieses Geschenk langfristig anzunehmen. Einmal auf diesem Weg läuft man in die richtige Richtung zur Kunst der echten Liebe.

Neustart?
So wie es oben beschrieben ist, könnte man den Eindruck bekommen dass es relativ einfach ist sich - bzgl. dem Thema positiver Energie und Liebe - neu zu programmieren. Aber wie steht es mit den Menschen die früher im Leben traumatische Erfahrungen hatten, oder es noch immer haben, und dadurch ein gemindertes Vertrauen in Mitmenschen, und ein beschränktes Eigenwertsgefühl, haben? Können diese Menschen auch einen Neustart machen?

Der Mensch, der solche Situationen erlebt hat, sollte erst versuchen die resultierenden emotionellen Narben ausreichend zu heilen. Die Tiefe dieser Narben ist bestimmend für Motivation und Energieaufwand, die für den Erfolg aufgebracht werden müssen, aber Erfolg ist durchaus möglich. In einer meiner vorherigen Artikeln über Liebe und Selbstwertgefühl (Spirit 19 - Seine Seele öffnen) habe ich ein Motto erwähnt das diesen Menschen helfen könnte: "Seien Sie überzeugt dass Sie ein Geschenk für ihre Umgebung sind, trotz aller ihrer Unvollkommenheiten. Wenn jemand Sie in ihren Gefühlen oder Ihrem Selbswert schwer verletzt hat, dann hat diese Person sie nicht als ein Geschenk erkannt und verstanden. Sollten Sie deswegen lebenslang diese emotionellen Narben mit sich herumschleppen und dadurch beschränkt sein im Empfinden echter Liebe? NEIN! Haben Sie Mitleid mit der Person die Sie verletzt hat (wer weiss, vielleicht konnte er/sie nicht anders, weil er/sie selber unter den eigenen Narben gelitten hat), vergeben Sie ihm/ihr, dann schauen Sie sich selbst an und fragen Sie sich: "Möchte ich mein Leben so weiterführen?" Wenn Ihre Antwort "NEIN" ist, dann setzen Sie bitte in Bewegung, leeren Sie Ihren emotionellen Rucksack, programmieren Sie sich um und gehen Sie weiter voran in Ihrem Leben. Von dann an können Sie einen echten Neustart machen.

Selbstwertgefühl und Erfolg in der Liebe.
Man kann einen anderen Menschen nicht echt und ausgewogen lieben, wenn man nicht eine gesunde Portion Eigenliebe hat. Das setzt voraus, dass man erst sich selbst gut kennt - auch die weniger tollen Eigenschaften. Ohne eine gesunde Psyche und ausgewogene Eigenliebe ist man dazu verurteilt, den Partner dazu zu verwenden seine eigenen empfundenen Mankos zu beheben. und kann völlig emotional abhängig vom Partner werden. Verlassensängste und Besitzergreifung übernehmen die Kontrolle. Ein Standard-Szenario für einen garantierten Misserfolg.

Erwartungen, Ansprüche, Krisen und Kompromisse.
Wenn beide Partner sich zu verstehen geben, dass sie sich lieben, klinkt bei den meisten der Besitzanspruch ein:"Ich liebe diesen Menschen, er liebt mich, nun gehört er zu mir und ich zu ihm, wir gehören zusammen." Dadurch öffnet sich die Tür zur übergreifenden Egos und zur Entstehung des Besitzergreifens, der gegenseitigen Einschränkungen und zur Eifersucht. Das "Geben ohne Erwartungen", das ultimative Fundament der Liebe, ist tot. Bleibt nur noch der (versteckte) Eigennutz, der Drang nach Bestätigung und dadurch dann, als langfristige Konsequenz, nur noch die seelische Dürre.

"Nur die Erkenntnis von der Illusion des Egos macht uns frei vom ständigen Mühen um seine „Befriedigung, um Besitz, Überlegenheit und Macht.“ (aus dem Kapitel „Die Liebe oder Güte“ des Buches „Buddhismus“ von Dr. Anton Stangl, ECON Taschenbuchverlag, Februar 1993). .

Erwartungen über Exklusivität und unser dominantes Ego sind die Ursachen für unser seelisches Elend, für unsere Unzufriedenheit, Angst, Nervosität, Eifersucht, Existenzangst, Enttäuschung und unseren fehlenden Kontakt zur Wirklichkeit. Wenn keine (hohen oder falschen) Erwartungen bestehen oder - und vor allem - wenn ich mich freihalten kann von (meinen) Erwartungen, kann keine Enttäuschung eintreten, oder, wenn sie sich einschleichen würde, kann ich sie schneller erkennen und leichter in etwas Positives umwandeln – vorausgesetzt ich bin dafür offen und bereit, an mir und meinem Verhalten etwas zu verändern. Sonnst rennen Sie von der einen in die nächste Beziehungskrise.

Laut Paartherapeut Michael Mary, spezialisiert auf Stress in Partnerschaften, lernt man in der Liebe sich zweimal kennen. Das erste Mal am Anfang der grossen Liebe und das zweite Mal wenn die Verliebtheit abklingt. Das ist die Stunde der Wahrheit. Die meisten Beziehungen kommen dann in eine kritische Phase. Die Karakterkosmetik funktioniert nicht mehr, weil beide Partner immer mehr Wissen über einander wissen. Der Zauber ist wege und beide Partner sind wieder um mehr persönliche Freiheit bemüht.

Kompromisse sind oft keine Lösung. Man sagt "Für eine glückliche Beziehung muss man Kompromisse schliessen." das ist Unfug. Damit hat eigentlich keiner von beiden was er/sie möchte. Kompromisse sind OK für alltägliche funktionsorientierte Handlungen (Fenster offen/zu, Klimaanlage an/aus, etc) oder bei Verhältnissen / Partnerschaften (Kollegen, Kumpel, Busenfreundin, Nachbarn). Über Emotionen kann man keine Kompromisse schliessen - es wird sich rächen.

Exklusivität und Treue.
Der Begriff "Treue" ist eine Konsequenz des Besitzanspruches, des Bedarfs nach Exklusivität, und nicht der echten Liebe. Eifersucht ist Folge von Angst verglichen zu werden und eine extreme Ausprägung an mangelndem Selbstvertrauen. Loyalität, Exklusivität, Besitz - und viele andere soziale Verhaltensweisen - gesellschaftliche Konzepte, die bei der Entwicklung unserer Individualität und unsere Ego eingeführt wurden. Zurückfahren zu hoher Erwartungen an Treue und Exklusivität in einer Beziehung ist nicht Förderung der "freien Liebe" oder "polyamorie" als solches, sondern es geht um besitzansprüche und darum sich vorzubereiten die wichtige Frage zu beantworten: "Wie werde ich mich verhalten, wenn ich mit Untreue konfrontiert werde? Wie wichtig sind meine "frei" gewählten Kriterien über Treue und Exklusivität, verglichen mit Kriterien über echte Freundschaft und Verbindung? Wenn es noch Liebe, Freundschaft und Zuneigung einer Beziehung gibt, sollte diese Beziehung wegen der scheinbaren "Untreue" aufkündigen, und wegen meiner verletzten Gefühle? Sollte ich vieles gutes einfach zurücklassen, oder sollte ich das Verhalten meines Partners als eine Gelegenheit sehen, meine Kriterien hin zu einer toleranteren Haltung gegenüber dem realen Leben zu korrigieren, anstatt die Lage auf Grund von Dogmen zu beurteilen? "

Monogamie - die große Lüge?
Über drei Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Europa leben in einer Beziehung. Die meisten von ihnen haben Erwartungen an emotionale Stabilität, Sicherheit und sexuelle Erfüllung. Liebe ist, so Klaus Heer - Beziehungs-Therapeut, (www.klausheer.ch), an Monogamie gebunden. Aber das menschliche Wesen ist es nicht. Aktuelle Umfragen zeigen, dass etwa 36% aller Frauen und etwa 44% aller Männer Sex außerhalb ihrer Partnerschaft haben. Und etwa 72% gaben an, dass sie es zu tun würden, wenn sich die Gelegenheit bieten würde. Einige Experten erwähnen, dass sogar 90% aller Männer und 75% aller Frauen Sex außerhalb ihrer festen Beziehung haben. Wir leugnen unsere Lust indem wir vorgeben dass sie nicht existiert. Aber es ist eine Selbsttäuschung. Entgegen seiner romantischen Natur ist der Homo sapiens stark auf Sex fokussiert.

Instinkte schreien nicht, sie flüstern. Monogamie ist nicht natürlich, und es ist ein relativ neues soziales Element. Gen-Forschung des Schweizerischen Nationalfonds haben ergeben, dass Monogamie erst vor etwa 20.000 Jahren auftauchte, als die Landwirtschaft entwickelt wurde.

Laut Christopher Ryan und Cacilda Jetha (Sex at Dawn - Die Prehistoric Origins of Modern Sexuality - www-sexatdawn.com), zogen unsere fernen Vorfahren als Gruppen von Jägern und Sammlern herum, in denen beide Geschlechter die gleichen Rechte hatten. Beute wie Sex wurden gleichmäßig zwischen den Mitgliedern dieser Gesellschaft geteilt, weil dies die beste Überlebensstrategie für jene Nomaden war. Nach einer Studie über die Y-Chromosom von Isabelle Dupanloup (Universität Ferrara, Italien), hatten nur wenige Männer während der Altsteinzeit die Mehrheit der Frauen. Unsere Vorfahren hatten auch sexuelle Kontakte mit anderen Hominiden und haben sich regelmäßig mit den Neanderthalern vermischt, was zu einem wichtigen Betrag von bis zu 4% des Neandertaler-DNA in unseren Genen heute führte.

Sobald Kolonisierung fand mit der Landwirtschaft und dem anschließenden Anstieg der Bevölkerung, politische Organisation und Clustern wurden Eigentum, Reichtum, familiäre Strukturen und Hierarchien geschaffen und das Konzept des kulturellen Erbes - die Früchte der harten und langen Arbeit - eingeführt wurde. So hat das Element der Treue. Um sicher zu sein, dass nur ihre Nachkommen würden aus den Früchten profitieren, hatten Männer, Frauen für die Treue zu kontrollieren.

Darwin definierte das evolutionäre Standardmodell der menschlichen Sexualität so: „Der Mann ist genetisch dazu prädestiniert, seinen reichlich vorhandenen Samen möglichst weit zu streuen, während die Frau ihre wertvollen reproduktiven Organe sorgfältig hütet und schließlich das Männchen ranlässt, welches auch geeignet erscheint, die Kinder aufzuziehen. Der Mann muss Untreue unterbinden, um seine Energie nicht auf Kuckuckskinder zu verschwenden, die Frau will sicherstellen, dass der Mann seine Ressourcen nicht mit anderen Frauen teilt.“ Wie haben divergierende reproduktive Veranlagungen, und die monogame Ehe sei unser Kompromiss, heißt es.

Der Sexualtherapeut und Autor Ulrich Clement (www.ulclement.de): "Unser Liebesmodell stammt aus Bürgertum und Romantik", sagte er. "In vormodernen Ehen gehörte Untreue dazu, zumindest die des Mannes. Doch dann wurde die Liebe zunehmend zum romantischen Ideal verklärt, die innereheliche Sexualität wurde aufgewertet, die außereheliche sanktioniert. Im Verlaufe des zwanzigsten Jahrhunderts verlor die Ehe ihre wirtschaftliche und soziale Bedeutung zunehmend. Übrig blieb das romantische Phantasma, scharf bewacht von der Eifersucht. Ohne Eifersucht gäbe es kein Anspruch auf Exklusivität, kein Treueproblem, keine am Küchentisch durchdiskutierten Nächte, keine unversöhnlichen Trennungen. Eifersucht geht über Kulturen hinaus - In patriarchalen Kulturen ist die Ehre der Männer direkt an die Treue ihrer Frauen gebunden, ihre Sexualität gehört nur ihm - sogar vor der Heirat - daher die Bedeutung der Jungfräulichkeit."

Aber auch in der westlichen Kultur bleibt Treue wichtig und Untreue ist einer der wichtigsten Gründe für die Trennung. Über 50% der Ehen enden in Scheidung. Die entscheidende Frage ist nicht, warum können wir nicht treu sein, sondern halten wir halten an einer Lüge oder einem Phantasma über ewige Treue fest. Ist es - müglicherweise - nicht die Untreue, die Ehen ruiniert, sondern lediglich unsere unrealistische Erwartung, dass Sex nur innerhalb der Ehe sein darf? Warum ist es erlaubt, regelmäßig Sex in einer monogamen Beziehungen zu haben und nicht außerhalb einer Ehe? Könnte es sein, dass es nicht der Partner ist, der uns täuscht, sondern das Konzept der ehelichen Liebe selbst? Ist es nicht Untreue, die die Beziehungen zerstört, sondern unsere Wahrnehmung der Treue selbst?

Unser Wunsch, eine lang anhaltende, tiefe Partnerschaft zu haben stammt aus dem Wunsch, eine Familie, ein Zuhause zu schaffen und nicht allein (mehr) zu sein. Eine legitime und menschliche Sehnsucht, das ist sicher, so wie Homo sapiens ein Gewohnheitstier ist.

Dass Frauen ihre Bettgefährten stets vorsichtiger gewählt haben als umgekehrt, weil sie das Risiko der Schwangerschaft trugen, besagt nichts über ihre Lust. Tatsache ist, dass die Erfindung der Pille und die Emanzipation das weibliche Sexualverhalten revolutioniert haben. Heute ist es für Frauen durchaus nicht mehr ausgefallen, sich auf Sex ohne Bindung einzulassen oder eine größere Anzahl Sexualpartner zu haben, und in beiden Fällen es respektvoll zu geniessen.

"Was die Sexualwissenschaft an Verhaltensunterschieden bzgl. Geschlechtsverkehr gefunden zu haben meinte", so Clement, "hat sich praktisch auf null reduziert. Beeindruckend ist eher die Ähnlichkeit zwischen Mann und Frau als der Unterschied." Nur durch die Definition der Gesellschaft, durch die Religion und schlussendlich durch die Erziehung wird es beim Mann als Zeichen für "Stärke und Männlichkeit" empfunden, wenn er mehrere Geschlechtspartner kurz nacheinander oder sogar zur selben Zeit hat, wohingegen die Frau noch bis heute hinter vorgehaltener Hand als „verdorbene Frau" oder "leichtes Mädchen“ in der Gesellschaft verurteilt wird, wenn sie genau das gleiche tut.

Partnerschaft - Das ewige Ideal?
"Mehr als 90 Prozent der Menschen wünschen sich Treue", so eine Studie aus Hamburg und Leipzig. "50 Prozent der Befragten gaben zu, schon einmal fremdgegangen zu sein. 3 Prozent aller Säugetiere gehen Paarbeziehungen ein, wirklich monogam lebt kaum eins davon".

"Es ist verblüffend, aber das Ideal der Treue übersteht mühelos alle Varianten des Zeitgeistes – bürgerliche, unbürgerliche, antibürgerliche, konservative, liberale, rechte, linke", schreibt der Journalist Markus Spieker in seinem gerade erschienenen Buch "Mono. Die Lust auf Treue". Warum überlebt das Ideal der Treue die stete Widerlegung durch die Realität? Warum streben wir immer wieder aufs Neue danach?

Angesichts unserer evolutionären Vergangenheit ist es geradezu verblüffend, dass die Hälfte der Menschen es schafft, treu zu sein. Bei den allermeisten Lebewesen ist es mit der Monogamie nämlich nicht weit her. Selbst die zur Zweisamkeit neigenden Vögel, die possierlichen Blaumeisen, die romantisch verklärten Schwäne – sie wurden fast allesamt per DNA-Vaterschaftstest der Untreue überführt. Laut Markus Spieker scheint es einen verbund von 5 Grundkräften zu geben, die menschliches Verhalten in modernen Beziehungen bestimmen:

1. Der Wunsch.
Die Treue erscheint uns attraktiv. Das sagen alle Umfragen, alle Statistiken. Wertvorstellungen sind sehr robust, sehr konservativ. Dies hat mit unserem Ego zu tun: es möchte sich ständig bestätigt sehen, und Treue ist einer der wichtigsten Parameter. Umso grösser der Bedarf dem Ego entgegen zu kommen (Macho´s oder unsichere Personen), umso stärker der Wunsch auf Exklusivität.

Am wichtigsten ist Exklusivität bei den Jugendlichen. Die 30-Jährigen waren wesentlich strenger als die 60-Jährigen.

2. Die Wirklichkeit.
Die meisten Menschen sind die meiste Zeit in ihrem Leben tatsächlich treu. Nur gibt es beachtliche Unterschiede - wiedermal zwischen Altersgruppen: 4,5 Prozent der Teenager machten einen Seitensprung im vergangenen Jahr – aber nur 1,8 Prozent der Teilnehmer Ende 30. Während die Jugendlichen also Treue als weitaus wichtiger bezeichnen, sind sie in der Realität weniger treu.

Dies stimmt überein mit obengenanntem Punkt 1, zwar ist hier auch eine andere Komponente des Ego's dafür verantwortlich: das Entdecken und Abtasten der eigenen Grenzen durch experimentieren. Einmal ausreichend erforscht, verringert sich der Selbstbetätigungsdrang. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl, geringen narzisstischen oder neurotischen Persönlichkeitszügen und geringer depressiver Veranlagung seltener fremdgingen.

3. Die Lust auf Neues.
Fast drei Viertel der Fremdgänger aus der Hamburg-Leipziger Studie nannten schlicht den »Reiz des Neuen« als Grund – ebenso viele fühlten sich weder unglücklich in ihrer Partnerschaft noch sexuell unbefriedigt. Offenbar lockt das Fremde auf die Dauer selbst dann, wenn das Bekannte glücklich und zufrieden macht. Und auch hier macht sich unser Ego wieder bemerkbar: was uns, Mensch, vorantreibt und zum Fortschritt bringt, nämlich über den Tellerrand zu gucken, steuert uns auch in unserem Privatleben - die Neugierde.

4. Die Sehnsucht nach Beständigkeit.
Doch die Neigung zur Untreue hat einen natürlichen Gegenspieler – unser tief verwurzeltes Bedürfnis nach Bindung. Das begründen die Evolutionspsychologen gewohnt nüchtern: Die Überlebenschancen der Sprösslinge steigen, wenn sich beide Elternteile um diese kümmern. Das gilt umso mehr, je aufwendiger die Aufzucht ist. Und da ist der Mensch einsame Spitze. Außerdem erhöhen äußere Einflüsse die Bindung zwischen zwei Partnern und senken das Untreue-Risiko. »Das sind vor allem der Haus-und-Hof-Faktor und ein gemeinsamer Bekanntenkreis«, sagt der Psychologe Kröger. Der Mensch bevorzugt Stabilität.

5. Der Wille zur Treue.
Was für ein Gezerre! Da tuschelt uns via Gene und Hormone dauernd die Evolution ins Ohr (»Reizvolles Neuland hier, heimeliges Territorium dort!«). Da funkt unsere Persönlichkeit dazwischen (»Eine günstige Gelegenheit zur Affäre, wie prächtig für das Ego!«). Dann die Ratio (»Aber das Reihenhaus!«). Und schließlich, natürlich, das tiefe Gefühl – die Liebe zum Partner.

»Treue ist ein kognitiver Prozess«, sagt der Zürcher Paartherapeut Guy Bodenmann, nämlich die willentliche Entscheidung für die Exklusivität. »Es geht um Engagement. Auf mehreren Ebenen, natürlich auf der emotionalen und der sexuellen. Aber eben vor allem mit dem Willen.« Engagement – dafür gibt es ein schönes deutsches, ein wenig altmodisch klingendes Wort: Hingabe.

Freundschaft - die wichtigste Komponente einer vollwertigen Beziehung?
Eine gesunde, ausgewogene Beziehung basiert nicht auf den Bedarf sich "komplett" zu fühlen durch den Partner, sondern auf eine gesunde Eigenliebe, ein ausgewogenes Selbstwertgefühl und tiefe Freundschaft. Diese Haltung erzeugt den Wunsch, unsere kostbaren Momente mit jemanden zu teilen, den wir lieben und zu dem wir Zuneigung empfinden. Die Fähigkeit einen Anderen zu lieben, ohne danach zu fragen oder zu erwarten, ob man genauso wiedergeliebt wird, ist die reife Form der Liebe des emotional selbständigen Menschen. Wenn eine tiefe Freundschaft zwischen Partnern besteht, ist das Verhältnis der empfundenen oder gezeigten Liebesmenge irrelevant, da jeder seine eigene Weise hat, um Affektion zu zeigen. Da gibt es keine festen Kriterien, außer was gegenseitige Offenheit, Respekt und Vertrauenswürdigkeit angeht.

Verliebtheit ist das leicht schwebende, aber vorübergehendes rosa-rote und helles Gefühl, dass man in seinem Körper spürt. Echte Liebe jedoch ist das tiefe Gefühl der innerer Verbindung zweier - oder mehrer - Psychen; die Sensation der Einheit, des Verständnisses, der Harmonie... der besitzlosen Freundschaft?

Michel

- Michèle Binswanger: elected in 2010 as Swiss "Journalist of the Year" & Nicole Althaus: "Macho Mamas. Warum Mütter im Job mehr wollen sollen" - Nagel & Kimche.

 

- Psychologe Christoph Kröger, Manager of Psychotherapieambulanz der Technischen Universität Braunschweig: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

- Psychologin Prof. Dr. Sabine Walper of the Münchner Ludwig-Maximilians-Universität & al in the "Projekt pairfam": Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

- Zürcher Paartherapeut Prof. Dr. Guy Bodenmann: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

- Markus Spieker: "Mono. Die Lust auf Treue" - Pattloch Verlag

 

- Ulrich Clement: www.ulclement.de

 

- Paartherapeut Klaus Heer (Ehe, Sex und Liebesmüh - www.klausheer.ch)

 

- Christopher Ryan und Cacilda Jethá "Sex at Dawn - The Prehistoric Origins of Modern Sexuality" - www.sexatdawn.com

 

- Biologe & Psychiater Barash - Lipton, Die Zeit - Online

 

-Paartherapeut Michael Mary: www.michaelmary.de

 

- Pierre Franckh: „Das Gesetz der Resonanz“ - Koha Verlag; ISBN: 978-3-86728-071-6

 

- Anton Stangl: „Buddhismus“ - ECON-Verlag, 1993; ISBN: §-612-26014-6